Ratgeber · 8 Minuten

Reizdarm-Tagebuch: Essen, Symptome und FODMAP im Blick

Beim Reizdarm kann dasselbe Essen an einem Tag gut gehen und am nächsten Beschwerden machen. Ein Ernährungs- und Symptomtagebuch ist der praktischste Weg, um zu sehen, was dich wirklich beeinflusst. So führst du es, so passen FODMAPs dazu, und so liest du es ehrlich aus.

Warum ein Reizdarm-Tagebuch hilft

Auslöser beim Reizdarmsyndrom sind persönlich. Die eine reagiert auf Zwiebeln, der andere auf Kaffee oder Stress, die nächste auf große, fettige Mahlzeiten. Das Gesundheitsportal des Bundesgesundheitsministeriums schreibt dazu: Betroffene können ein Ernährungstagebuch führen, um zu erkennen, was ihnen guttut und was nicht. Ein Tagebuch hilft auch deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Ernährungsfachkraft bei der Entscheidung, was als Nächstes sinnvoll ist, und schützt dich davor, ohne guten Grund Lebensmittel zu streichen.

Was du notieren solltest

  • Mahlzeiten und Getränke: was, ungefähr wie viel und wann. Auch Snacks, Kaffee, Alkohol und zuckerfreie Produkte.
  • FODMAP-Gruppen: Markiere Mahlzeiten mit den Gruppen, die drin stecken (siehe Tabelle). So werden Muster über ganz verschiedene Gerichte hinweg sichtbar.
  • Symptome: Blähbauch, Krämpfe, Winde, Stuhldrang, Übelkeit, Sodbrennen, Müdigkeit, jeweils mit einer groben Stärke von 1 bis 10.
  • Stuhlgang: Uhrzeit und Bristol-Typ. Reizdarm mit Verstopfung, mit Durchfall und der Mischtyp sehen auf dem Papier sehr unterschiedlich aus.
  • Umstände: Schlaf, Stress, Bewegung, Periode und Medikamente.

FODMAP kurz erklärt, mit FODMAP-Liste

FODMAPs sind kurzkettige Kohlenhydrate, die der Dünndarm schlecht aufnimmt. Darmbakterien vergären sie, dabei entsteht Gas, und Wasser wird in den Darm gezogen. Bei Menschen mit Reizdarm kann das zu Blähbauch, Schmerzen und verändertem Stuhl führen. Der Name steht für fermentierbare Oligo-, Di-, Monosaccharide und Polyole.

FODMAP-Liste: die fünf Gruppen mit typischen FODMAP-reichen Lebensmitteln (nach Monash University)
GruppeArtTypische Quellen
FruktaneOligosaccharideWeizen, Roggen, Gerste, Zwiebeln, Knoblauch, Lauch
GOS (Galakto-Oligosaccharide)OligosaccharideBohnen, Linsen, Kichererbsen, manche Nüsse
LaktoseDisaccharidMilch, Frischkäse, Joghurt, Sahne
Überschüssige FruktoseMonosaccharidHonig, Äpfel, Birnen, Mango, Agavendicksaft
PolyoleZuckeralkohole wie Sorbit und MannitSteinobst, Pilze, Blumenkohl, zuckerfreie Süßigkeiten und Kaugummis

Bei üblichen Portionen meist FODMAP-arm sind zum Beispiel Reis, Haferflocken, Kartoffeln, Karotten, Gurke, Tomaten, Eier, fester Tofu, Fleisch und Fisch, Hartkäse, laktosefreie Milch, Orangen, Kiwi und Erdbeeren. Die Portionsgröße verändert aber alles: Manches ist in kleiner Menge gut verträglich und in großer Menge FODMAP-reich. Die Monash University, die die FODMAP-arme Ernährung entwickelt hat, veröffentlicht im Labor gemessene Portionsangaben in ihrer eigenen App.

So funktioniert die FODMAP-arme Ernährung

Sie ist eine kurze Lern-Diät, keine Ernährung fürs Leben. Laut Monash folgt auf eine strenge Phase von 2 bis 6 Wochen die schrittweise Wiedereinführung, um herauszufinden, welche Gruppen du verträgst, und danach eine persönliche, möglichst abwechslungsreiche Ernährung. Studien wie Halmos und Kollegen (Gastroenterology 2014) zeigen, dass viele Menschen mit Reizdarm damit weniger Beschwerden haben. Sie hilft aber nicht allen: Laut Monash bessert sich bei etwa einer von vier Personen mit Reizdarm nichts. Auch die deutsche S3-Leitlinie zum Reizdarmsyndrom nennt eine zeitlich begrenzte FODMAP-arme Ernährung als Option. Am besten machst du sie mit ärztlicher Begleitung oder Ernährungsberatung, und erst, wenn der Reizdarm diagnostiziert ist.

Ein Beispieltag

Beispieleinträge in einem Ernährungs- und Stuhltagebuch
UhrzeitEintragNotiz
07:30Haferflocken mit laktosefreier Milch, Kiwi, Kaffee6 Stunden geschlafen, voller Tag
08:10Stuhlgang, Bristol Typ 4Leicht
12:45Vollkornnudeln mit Knoblauch-Zwiebel-SoßeMarkiert: Fruktane
16:00Blähbauch 6 von 10, Krämpfe 3 von 10Stressiges Meeting um 15 Uhr
21:00Stuhlgang, Bristol Typ 6Dringend

Waren es die Fruktane, der Stress oder die kurze Nacht? Ein einzelner Tag kann das nicht beantworten. Dasselbe Muster nach mehreren ähnlichen Mahlzeiten, während Tage ohne sie besser laufen, schon eher.

So liest du dein Tagebuch ehrlich

  • Gib ihm Zeit. Beschwerden folgen nicht immer auf die letzte Mahlzeit. Tummi vergleicht deshalb jede Markierung mit deinem Befinden 12 bis 48 Stunden später.
  • Mit und ohne vergleichen. Ein Lebensmittel ist nur dann verdächtig, wenn Tage mit ihm schlechter laufen als Tage ohne.
  • Auf genug Daten warten. Zwei, drei Mahlzeiten reichen nicht. Geduld schützt dich davor, Dinge zu meiden, die du eigentlich verträgst.
  • Ein Muster ist keine Diagnose. Nimm es als Frage mit in die Praxis oder Ernährungsberatung, nicht als Urteil.
  • Nicht auf eigene Faust viel weglassen. Wer immer mehr Lebensmittel streicht, riskiert eine einseitige Ernährung. Sprich dann mit deiner Praxis über eine Ernährungsberatung.

Warnzeichen, die nicht zum Reizdarm passen

Ein Reizdarmsyndrom wird erst festgestellt, wenn andere Ursachen ausgeschlossen sind. Deutlicher Gewichtsverlust, Blut im Stuhl, Fieber, Blässe oder Blutarmut, Beschwerden, die nachts wecken, und neue Beschwerden im höheren Alter sind nicht typisch für einen Reizdarm. Zöliakie, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen und andere Erkrankungen können sich ähnlich anfühlen. Lass das bitte abklären.

So hilft Tummi beim Reizdarm-Tagebuch

Tummi Bildschirm: Muster nach Mahlzeiten, Markierungen wie Zwiebel und Knoblauch im Vergleich mit dem Befinden 12 bis 48 Stunden später Tummi Bildschirm: Wochenauswertung mit Wohlfühl-Verlauf, durchschnittlichem Bristol-Typ, Tagen ohne und längster Pause
Muster nach Mahlzeiten und Wochenauswertungen gehören zu Tummi Plus.

In Tummi markierst du Mahlzeiten mit den fünf FODMAP-Gruppen und typischen Verdächtigen wie Kaffee, Gluten, Milchprodukten, Alkohol oder scharfem Essen, zusammen mit Symptomen und Stuhlgang. Mit Tummi Plus vergleicht die App jede Markierung mit deinem Befinden 12 bis 48 Stunden später, gegen alle Mahlzeiten ohne sie. „Danach öfter bemerkt“ erscheint erst ab drei Mahlzeiten und einem deutlichen Unterschied, sonst sagt Tummi ehrlich, dass es noch zu wenig Daten gibt. Alles bleibt auf deinem iPhone.

Häufige Fragen

Wie lange sollte ich ein Reizdarm-Tagebuch führen?

Mindestens zwei bis vier Wochen. Viele Beschwerden kommen Stunden oder einen Tag nach dem Essen, und du brauchst mehrere ähnliche Mahlzeiten, bevor ein Muster etwas bedeutet.

Sollte ich die FODMAP-Diät allein ausprobieren?

Die Monash University empfiehlt, sie mit ärztlicher Begleitung oder Ernährungsberatung zu machen, und erst nach der Diagnose Reizdarm. Sie ist eine kurze Lern-Diät mit Wiedereinführung, keine Dauerernährung.

Gibt es eine FODMAP-Liste zum Ausdrucken?

Die Tabelle oben zeigt die fünf Gruppen mit typischen Lebensmitteln. Für genaue Portionsangaben ist die App der Monash University die verlässlichste Quelle, weil die Werte im Labor gemessen werden.

Was gehört in ein Ernährungstagebuch bei Reizdarm?

Mahlzeiten und Getränke mit Uhrzeit, die FODMAP-Gruppen, Symptome mit Stärke, Stuhlgang mit Bristol-Typ und Umstände wie Schlaf, Stress und Periode.

Kann Stress Reizdarm-Beschwerden auslösen?

Bei vielen Menschen ja. Darm und Gehirn beeinflussen sich gegenseitig. Deshalb lohnt es sich, Stress und Schlaf mit ins Tagebuch zu schreiben.

Quellen

  1. gesund.bund.de: Reizdarmsyndrom
  2. DGVS: S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom
  3. Patienteninformation der Bundesärztekammer und KBV: Reizdarmsyndrom (PDF)
  4. Monash University: About FODMAPs and IBS
  5. Halmos EP et al. A diet low in FODMAPs reduces symptoms of irritable bowel syndrome. Gastroenterology 2014;146:67 to 75
  6. NHS: IBS diet, lifestyle and medicines